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Ratgeber Seniorenhilfe

Palliativmedizin - Fragen und Antworten

Bild von Palliativmedizin Die Palliativmedizin möchte die bestmögliche Lebensqualität erhalten.

Was ist die Palliativmedizin?

Schon seit langer Zeit ist unser ärztlich geprägtes Gesundheitswesen in der Lage, auch auf schwierigste Erkrankungen bis hin zur Betreuung des Sterbevorgangs zwar mit hochprofessioneller Behandlung und Pflege jedoch letztlich fast rein organisatorisch zu reagieren. In der jüngsten Vergangenheit hat sich in Deutschland jedoch zusätzlich die Palliativmedizin etabliert. Während die traditionelle Medizin auf Heilung bzw. Lebensverlängerung größten Wert legt, besteht das oberste Ziel einer Palliativbehandlung in der Erhaltung einer bestmöglichen Lebensqualität. Deshalb ist höchstmögliche Schmerzfreiheit sowie Linderung von Begleitsymptomen der jeweiligen Erkrankung das Ziel der palliativen Medizin, die Ihnen mittlerweile ein differenziertes Angebot an Leistungen zur Auswahl gibt.

Palliative Medizin - Begriff und Entwicklung

Der Begriff der "palliativen" Behandlung oder Medizin leitet sich vom lateinischen Wort für den Schutzmantel, das "Pallium" ab. Das Bild des Schutzmantels, der sich so zu sagen schützend um den ganzen Menschen legt, steht für eine Behandlung und Pflege von Schwerstkranken, die den Menschen ganzheitlich beschützt. Dem entsprechend versorgt die palliative Medizin meistens Patienten mit unheilbaren Erkrankungen in fortgeschrittenem Stadium und in der letzten Phase ihres Lebens. Der Hilfe bei Selbsttötungen oder aktiver Sterbehilfe steht die palliative Medizin jedoch ablehnend gegenüber. Ihr geht es um menschenwürdige Betreuung, fürsorgliche Begleitung, Linderung von Schmerzen und auch das Zulassen des Sterbens bei schwerstkranken, sterbenden Menschen.


Bild von Hospiz Mittlerweile ist die Palliativmedizin enttabuisiert und immer mehr Versorgungsstätten werden errichtet

Historisch gesehen ist die palliative Medizin weniger der ärztlichen Tätigkeit zuzuordnen, sondern blickt auf eine lange Tradition vornehmlich im Bereich der Krankenpflege zurück. Während Ärzte nämlich immer schon das Heilen von Krankheiten in den Vordergrund ihrer Berufung stellten, waren es eher die Pflegekräfte, die sich neben rein medizinischen Maßnahmen auch dem zwischenmenschlichen Bereich widmeten.

Dass schwer kranke und sterbende Menschen heute Zugang zu einer umfassenden Palliativversorgung haben, ist nicht zuletzt der verstärkten Enttabuisierung der Themen Krankheit, Tod und Sterben in der jüngsten Vergangenheit zu verdanken. In der Folge hat die Gesundheitspolitik zahlreiche Verbesserungen zugunsten der Palliativen Medizin beschlossen und durchgesetzt. Unter anderem das "Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland" stellt dafür die Weichen. Demnach wurde Palliative Medizin 2010 zu einem Pflichtfach während der Medizinerausbildung, während die Pflegekräfte eine Zusatzqualifikation in "Palliative Care" erwerben. Die aktuelle Gesundheitspolitik zielt zusätzlich darauf ab, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen an der Palliativversorgung beteiligten Berufsgruppen sowie die in diesem Bereich ehrenamtlich Tätigen zu fördern. Darüber hinaus sollen sich die Patienten und ihre Angehörigen über die bestehenden Angebote und Möglichkeiten der Palliativversorgung informieren können.

Diese Entwicklung hat in Deutschland dazu geführt, dass sich im Laufe der letzten Jahre in der stationären und ambulanten Versorgung in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Hospizen und nicht zuletzt im häuslichen Bereich eine regelrechte Palliativkultur etablieren konnte.

Institutionen und Methoden der palliativen Medizin

Bild von Pflegerin und Seniorin In einer Palliativeinrichtung wird man rund um die Uhr versorgt und gut geschultes Personal steht jederzeit zur Verfügung

In Deutschland haben sich zwei Arten von Institutionen auf die Palliativversorgung spezialisiert. Eine Palliativstation oder -klinik hebt die Lebensqualität ihrer Patienten möglichst soweit an, dass diese zur weiteren Pflege und Behandlung in ihre häusliche Umgebung oder eine andere Pflegeeinrichtung entlassen werden können. In einem Hospiz hingegen werden die Patienten palliativmedizinisch bis zu ihrem Tod betreut.

Der ganzheitliche Ansatz der palliativen Medizin sieht nach der Aufnahme in die Einrichtung vor, dass die Verantwortlichen der Palliativeinrichtungen ihre Therapien in engem Kontakt zu den vorher verantwortlichen Ärzten, Pflegern und sonstigen Betreuern entwickeln. Um die ganzheitliche Betreuung eines palliativmedizinisch zu betreuenden Patienten zu gewährleisten, wird er oder sie von einem Team betreut, das im Kern aus speziell geschulten Ärzten und Krankenschwestern sowie Seelsorgern und Psychologen besteht.

Die Pflegeteams einer Palliativstation betreuen ihre Patienten rund um die Uhr. Zum Respekt vor der Würde der Patienten gehört auch die weitestgehende Berücksichtigung der Patientenwünsche. Deshalb gibt es auf einer Palliativstation keine starren Tagesabläufe, sondern die Betreuung richtet sich so weit wie eben möglich nach dem Befinden des Patienten und seiner Wünsche.

Da viele Patienten die Phasen schwerer Krankheit sowie ihre letzte Lebensphase in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung verbringen möchten, gibt es neben der stationären Betreuung zahlreiche Konzepte und Angebote zur häuslichen Palliativpflege.

Wann eine palliativmedizinische Betreuung sinnvoll ist

Bild von Pflegerin und Seniorin Die palliativmedizinische Betreuung wird nur bei Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung genehmigt.

Eine weit fortgeschrittene und in der Regel auch nicht mehr heilbare Erkrankung sowie eine dadurch medizinisch absehbare, begrenzte Lebenserwartung gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen, wenn Sie als Patient auf einer Palliativstation bzw. in einem Hospiz aufgenommen werden wollen. Darüber hinaus leidet der typische Palliativpatient an außergewöhnlich starken seelischen Beschwerden, die zu sozialen Konflikten führen. So leiden Schwerkranke besonders stark unter Einsamkeit und Angst. Wenn diese Probleme weder im häuslichen Umfeld noch in allgemeinmedizinisch ausgerichteten Institutionen behandelt werden können, ist die Aufnahme in stationäre Palliativeinrichtungen angezeigt.

Ob Sie als Patient diese Voraussetzungen im Einzelfall erfüllen, wird in den meisten Fällen durch die Ärzte festgestellt, die für Ihre Betreuung zu Hause in einem Krankenhaus oder Pflegeheim zuständig sind. In Einzelfällen können Sie durchaus auch als Patient selbst oder Ihre Angehörigen die Anmeldung in einer Palliativeinrichtung übernehmen. Formale Voraussetzung für die Aufnahme in einer Palliativeinrichtung ist jedoch immer eine ärztliche Krankenhauseinweisung.

Welche Kosten ich bei einer palliativmedizinischen Betreuung selbst trage

Bild von Kostenübernahme Hospiz 95% der Kosten übernimmt die Krankenkasse, 5% Spenden und Palliativ- und Hospizverbände

Die Kosten für die palliativmedizinische Grundbetreuung in einer Palliativeinrichtung werden fast vollständig von der Krankenkasse bzw. der privaten Versicherung übernommen. Auch die Sterbebegleitung ist ausdrücklicher Bestandteil der Pflegeversicherungsleistungen. Bei stationärer Behandlung tragen Sie als Patient lediglich die üblichen Anteile, die während des Aufenthaltes in der Palliativeinrichtung wie bei Krankenhauskosten als Eigenanteil des Patienten zu zahlen sind. Mehrkosten für besonders aufwändige Pflege, zusätzliche psychologische Betreuung und spezielle Palliativberatungen tragen bei den meisten Einrichtungen deren Fördervereine bzw. werden aus dem Aufkommen von Spenden an die Einrichtung bezahlt. Das gilt besonders für die Hospize. Krankenkassen fördern die ambulanten und die stationären Hospizdienste zu ca. 95 %, leisten damit auf ausdrücklichen Wunsch der Palliativ- und Hospizverbände keine Vollfinanzierung. Zur Wahrung des ehrenamtlichen Charakters der Hospize werden deshalb 5 % der Aufwendungen durch Spenden aufgebracht.

 

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