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Pferderatgeber

Wie sie ein durchgehendes Pferd im Galopp stoppen

Durchgehende Pferde stellen eine erhebliche Gefahr für sich selbst und ihr Umfeld dar. Vor allem als Reiter des nicht mehr kontrollierbaren Pferdes ist dies eine äußerst unangenehme Situation. Mit genügend Routine, sicherem Sitz im Sattel und den richtigen Techniken gelingt es dem erfahrenen Reiter das durchgehende Pferd zu bremsen. Anschließend sollte mit einer gründlichen Abklärung die Ursache dieses Problemverhaltens ermittelt werden.

Begriffsdefinition durchgehende Pferde

Ein durchgehendes Pferd reagiert nicht mehr auf die Reiterhilfen. Damit es so weit kommt, liegt in der Regel ein Grund vor, der das Fluchtverhalten auslöst. In den meisten Fällen galoppiert das Pferd dann in schnellem Tempo zunächst von der vermeintlichen Gefahr weg, bis es genügend Distanz zum Angstauslöser geschaffen hat. Schenkel-, Gewichts- oder Zügelhilfen in der üblichen Intensität können ein durchgehendes Pferd nicht bremsen. Auch ein Pferd, das an der Hand geführt wird, kann durchgehen, wenn es sich erschreckt.

Verhaltensbeschreibung

Eine typische Situation, die dem Durchgehen voraus geht ist, wenn sich das Pferd vor einem plötzlich auftauchenden Gegenstand oder einer Person erschreckt. Dies können beispielsweise ein kläffender Hund, eine flatternde Plane, ein rasch herannahendes Auto, spielende Kinder oder ein Knacken hinter dem Reithallentor sein. Die Heftigkeit der Reaktion hängt davon ab, wie sensibel das Pferd auf den jeweiligen Schreckreiz reagiert. Hat es zuvor bereits mehrfach Kontakt zu dem Auslöser gehabt, dann fällt seine Reaktion weniger heftig aus, wenn es in Verbindung mit dem Auslöser gute Erfahrungen gemacht hat. Dann springt es meist nur einige Schritte zur Seite und bleibt dann stehen. Manche Pferde gehen auf ihrer gewohnten Galoppstrecke durch, wo sie das Gebiss zwischen die Zähne klemmen und das bekannte Stück entlangpreschen, am Ende der Galoppstrecke aber in der Regel wieder langsamer werden.

Psychische Ursachen für durchgehende Pferde

Durch Schreckreize ausgelöstes Durchgehen lässt auf wenig Vertrauen zum Menschen und einen temperamentvollen Charakter mit eher schwachem Nervenkostüm schließen. Vermeintlich auf sich selbst gestellt sieht das Pferd seinen einzigen Ausweg im instinktgesteuerten Fluchtverhalten. Haltung und Fütterung haben einen großen Einfluss darauf, dass Pferde lernen sich mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen. Reizarm und bewegungsarm gehaltene Pferde neigen auf Ausritten eher zum Durchgehen als Pferde in Offenstallhaltung an frequentierter Lage. Pferde mit Stalldrang oder solche, die an der Herde kleben, gehen manchmal auf dem Ausritt beim Rückweg durch um schneller zurück zum Stall zu gelangen.

Physische Ursachen für durchgehende Pferde

Eine zu harte Einwirkung durch den Reiter mit treibenden Hilfen kann ein Pferd in die Flucht treiben. Aber auch eine wohldosierte Hilfe, deren Ziel die Aktivierung der Hinterhand ist, kann ein Durchgehen auslösen, wenn aus Versehen eine Bewegung ausgelöst wird, die dem Pferd Schmerzen bereitet. Chips in den Sprunggelenken, Kissing Spines, bewegungsspezifischer Satteldruck, Schmerzen im Fesselgelenk beim Drehen auf der Stelle sind einige Beispiele für körperliche Beeinträchtigungen, die Fluchtverhalten auslösen können.

Ausbildungsfehler als Ursache

Mangelndes Gleichgewicht führt zu Unsicherheit beim Pferd, die es wiederum durch schnelleres Laufen auszugleichen versucht. Diesem Verhalten liegt kein Schreckreiz zugrunde, sondern das Bestreben sein Gleichgewicht wiederzuerlangen, daher ist es kein Durchgehen im eigentlichen Sinne, wird aber als solches interpretiert. Durchgehen beim jungen Pferd ist häufig auf Fehler in der Ausbildung zurückzuführen, wenn zu früh anspruchsvolle Übungen verlangt werden, die das noch unerfahrene Jungpferd überfordern.

Maßnahmen zur Verhaltenskorrektur

Je nach Ursache gilt es in jedem Fall zunächst das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter wieder aufzubauen und die Führungsposition des Menschen zu stärken. Wird eine physische Ursache vermutet, dann ist eine tierärztliche Abklärung sinnvoll. Ist hier keine Beeinträchtigung festzustellen, werden die Ausbildungsschritte zum Erlangen der Durchlässigkeit wiederholt. Indem die Konzentration des Pferdes auf den Reiter fokussiert wird, kann es Schreckreize entweder gänzlich ausblenden oder bleibt wenigstens weiterhin kontrollierbar. In der Situation eines plötzlich durchgehenden Pferdes gilt es zunächst die Fassung zu bewahren, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. In der Praxis kann der Reiter auf einem unkontrollierbaren Pferd zwischen zwei Notlösungen wählen. Entweder lenkt er sein Pferd auf einer zunächst großen und dann immer kleiner werdenden Kreisbahn. Hierbei besteht die Gefahr eines Sturzes, wenn die Kreise zu eng und mit zu wenig Führung geritten werden. Die andere Möglichkeit ist das sogenannte „Riegeln“. Hierbei wird abwechselnd links und rechts energisch am Zügel gezogen, sodass das Pferd weiterhin geradeaus rennt, bis es schließlich reagiert und langsamer wird. Welche Maßnahme gewählt wird, hängt von der jeweiligen Situation und dem verfügbaren Platz ab. Die massive Einwirkung auf das Pferdemaul ist gerechtfertigt, um Schaden an Mensch und Tier zu vermeiden.

 

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